Verkaufsplattformen im DACH-Raum, welche für was?

Im DACH-Raum gibt es für Autohändler ein paar Plattformen, an denen man für den Abverkauf (sprich: echte Kaufanfragen, Probefahrten, Abschlüsse) kaum vorbeikommt. „Unverzichtbar“ heißt dabei nicht, dass jede Plattform für jeden Betrieb gleich wichtig ist – sondern: Wenn du sie komplett weglässt, verschenkst du planbar Reichweite, Nachfrage und Markttransparenz.


Deutschland: Ohne mobile.de, AutoScout24 und (je nach Segment) Kleinanzeigen wird’s teuer

1) mobile.de – der Reichweiten- und Lead-Motor

Für den deutschen Markt ist mobile.de für die meisten Händler der wichtigste Absatzkanal außerhalb der eigenen Website. Der Grund ist simpel: Reichweite + Suchintention + Händler-Ökosystem (Tools, Pakete, Schnittstellen, Performance-Produkte).

Zahlen, die die Rolle erklären:

  • mobile.de meldete 114,2 Millionen Visits (für 2024) und eine Steigerung von rund +6,9% gegenüber dem Vorjahr.
  • Händler profitierten von +20,5% mehr Leads (Anrufe/E-Mails) im Jahresvergleich.
  • In einem mQ-Auszug wird für Juni 2025 eine Größenordnung von 1,680 Mio. Inseraten auf mobile.de genannt.

Warum das für Abverkauf entscheidend ist:

  • Käufer starten ihre Suche dort, wo Inventar und Vergleichbarkeit maximal sind.
  • Hohe Nachfrage bedeutet nicht nur mehr Kontakte, sondern auch schnellere Standzeitreduktion – vor allem bei preislich marktgerechten Fahrzeugen.
  • Für Händler ist die Plattform oft der effizienteste Weg, konstant Pipeline aufzubauen, statt „spiky“ über Social oder Einzelkampagnen.

2) AutoScout24.de – zweite Pflichtplattform für Preisfindung und Nachfrageabdeckung

AutoScout24 ist in Deutschland meist die klare Nummer 2, in manchen Regionen/Segmenten auch stärker. Im Kern ist AutoScout24 wichtig, weil du dort die Käufer erreichst, die nicht (oder nicht zuerst) auf mobile.de sind – und weil du dort deine Marktpositionierung (Preis, Ausstattung, Bildqualität, Vertrauen) spiegeln kannst.

Zahlen zur Einordnung:

  • AutoScout24 kommuniziert europaweit rund 30 Mio. monatliche Nutzer und über 2 Mio. Fahrzeuginserate (Plattform-/Gruppenangaben).
  • Für Deutschland wird in einer Ecosystem-Präsentation eine Größenordnung von ~720.000 Inseraten und ~11,4 Mio. monatlichen Besuchern genannt (als grobe Orientierung).
  • Zusätzlich: AutoScout24 zeigt für Teilmärkte konkrete Inseratsanteile, z. B. dass gebrauchte E-Autos 2025 6,5% der Inserate ausmachen (und das Angebot in Deutschland auf rund 45.000 E-Gebrauchte stieg).

Warum unverzichtbar:

  • AutoScout24 bringt oft stabile Nachfrage für volumenstarke Modelle und ist ein wichtiger Kanal für Preis- und Marktvergleich (was Kaufentscheidungen direkt beeinflusst).
  • Händler, die nur auf einem Marktplatz sind, wirken für Kunden schnell „unsichtbar“ oder „unvollständig“ – gerade wenn Kunden parallel auf 2–3 Plattformen vergleichen.

3) Kleinanzeigen (kleinanzeigen.de) – unterschätzt, aber in bestimmten Lagen sehr stark

Viele Händler behandeln Kleinanzeigen wie „nur privat“. Das ist ein Fehler, weil Kleinanzeigen eine enorme Reichweite hat und Käufer anzieht, die pragmatisch, preisfokussiert und schnell entscheidungsbereit sind – gerade bei günstigeren Fahrzeugen, Alltagsautos, Winterwagen, Export-/Bastlersegmenten.

Zahlen:

  • Kleinanzeigen weist im Fact Sheet für H1 2025 mehr als 30 Mio. monatliche Besucherinnen und Besucher aus.
  • Es wird außerdem eine Größenordnung von >50 Mio. Anzeigen über alle Kategorien genannt (zeigt die Plattformgröße, nicht nur Auto).

Warum es für Abverkauf relevant ist:

  • Für Fahrzeuge im unteren/mittleren Preissegment kann der Kanal überproportional viele Erstkontakte liefern.
  • Kunden sind dort oft weniger „Konfigurator-getrieben“, sondern reagieren stark auf Preis/Standort/Verfügbarkeit – das kann Standzeiten drücken, wenn Prozesse schnell sind.

Praxis-Faustregel Deutschland:
Für die meisten Händler ist mobile.de + AutoScout24 die Basis. Kleinanzeigen ist je nach Preisklasse/Region/Bestand ein starker Zusatzhebel.


Österreich: willhaben ist praktisch Pflicht

willhaben – dominanter Suchstartpunkt für Gebrauchtwagen

In Österreich ist willhaben im Gebrauchtwagenbereich so stark, dass „nicht dabei sein“ für viele Händler bedeutet, einen großen Teil der kaufbereiten Nachfrage abzugeben.

Zahlen:

  • In einem Branchenbeitrag wird genannt, dass 88,6% der Gebrauchtwagen-Suchenden willhaben dafür nutzen.
  • Der Kanal „Auto & Motor“ wird mit rund 20 Mio. Besuchen pro Monat beziffert.
  • willhaben selbst zeigt für den Auto-Bereich Größenordnungen von ~129.000 bis ~131.000 aktiven Gebrauchtwagen-Inseraten.

Warum unverzichtbar:

  • willhaben ist in Österreich für viele Käufer nicht „eine Plattform“, sondern die Plattform.
  • Händler profitieren von hoher Reichweite und starkem lokalen Suchverhalten (Umkreissuche, schnelle Kontaktaufnahme, pragmatische Kaufentscheidungen).

Was in Österreich daneben sinnvoll sein kann:
Je nach Zielgruppe kann AutoScout24.at ergänzen, aber willhaben ist in der Regel der erste Fixpunkt.


Schweiz: AutoScout24.ch ist der Kernkanal, daneben spielen Generalisten eine Nebenrolle

AutoScout24.ch – der zentrale Marktplatz für Fahrzeuge

In der Schweiz ist AutoScout24 die zentrale Plattform im Autohandel (als Teil der Swiss Marketplace Group im Classifieds-Umfeld). Für Händler ist sie besonders wichtig, weil der Markt kleiner ist und Konzentration stärker wirkt: Wer nicht dort ist, verliert schnell Sichtbarkeit.

Zahlen:

  • AutoScout24 wird in einem Schweizer Beitrag mit über 155.000 aktiven Inseraten pro Monat beschrieben (Größenordnung, aktiv).
  • Die Swiss Marketplace Group weist für 2024 291 Mio. CHF Umsatz aus (zeigt die wirtschaftliche Skalierung des Marktplatzgeschäfts; indirekter Hinweis auf Reichweite und Marktbedeutung).

Warum unverzichtbar:

  • Schweizer Käufer erwarten dort Breite (Angebot) und Vergleichbarkeit (Preis/Ausstattung).
  • Für Händler ist die Plattform ein zentraler Hebel, um laufend Leads zu generieren und den Bestand marktgerecht zu positionieren.

Daneben in der Schweiz:
Generalistische Marktplätze (z. B. Kleinanzeigen-/Secondhand-Umfelder) können in Randsegmenten funktionieren, sind aber für den professionellen Abverkauf typischerweise nicht der Hauptkanal wie AutoScout24.


Warum genau diese Plattformen „unverzichtbar“ sind (die Logik dahinter)

  1. Suchintention statt Reichweite allein
    Social kann Reichweite haben, aber Marktplätze haben etwas Wertvolleres: Nutzer sind bereits im Kaufmodus. Deshalb konvertieren Kontakte dort häufiger zu echten Terminen.
  2. Markttransparenz zwingt zur Präsenz
    Käufer vergleichen plattformübergreifend. Wenn dein Fahrzeugbestand auf den großen Marktplätzen fehlt, existierst du im Vergleich praktisch nicht – oder du wirkst „teurer“, weil du nicht in derselben Vergleichsliste auftauchst.
  3. Bestand dreht sich dort, wo Nachfrage konstant ist
    Die genannten Zahlen (z. B. 114,2 Mio. Visits, 20 Mio. Besuche/Monat, >30 Mio. monatliche Besucher) bedeuten: Es ist jeden Tag Nachfrage im System – unabhängig davon, ob dein Autohaus gerade „Marketing-Glück“ hat.
  4. Prozessvorteile und Dealer-Tools
    Schnittstellen, Paketlogiken, Performance-Optionen, Auswertungen – das macht Marktplätze zu operativen Vertriebskanälen, nicht nur „Inseratsbrettern“.

Kurzfazit: DACH-Pflichtliste für Abverkauf (praktisch gedacht)

  • Deutschland: mobile.de + AutoScout24 sind für die meisten Händler Pflicht; Kleinanzeigen ist je nach Preissegment ein starker Zusatzkanal.
  • Österreich: willhaben ist der dominierende Pflichtkanal für Gebrauchtwagenabverkauf.
  • Schweiz: AutoScout24.ch ist der zentrale Marktplatz und für Sichtbarkeit/Leads meist unverzichtbar.

Wenn du willst, kann ich dir daraus auch eine konkrete Kanalstrategie ableiten (welche Fahrzeuge auf welchen Kanal, mit welchen Foto-/Preisregeln und welcher Antwortzeit), weiterhin ohne Links/Quellen.

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